das Team

Sie sind die Wissensvermittler

"Die wahren Fundamente von Guédelon sind natürlich die der Burg – aber auch das Wissen dieses Teams".

(Maryline Martin, Mitgründerin von Guédelon, zit. aus: Guédelon. Des hommes fous un château fort; Ed. Aubanel 2004) 

Erläuterungen vor einer großen Menschenmenge – eine Berufung von Guédelon - © Guédelon

Um ein solch großes Abenteuer durchzuführen, ist ein leidenschaftliches und kompetentes Arbeiterteam nötig.

Heute hat Guédelon 70 Angestellte, von denen ungefähr 40 direkt an der Errichtung der Burg arbeiten.

Einige Mitarbeiter kamen qualifiziert und mit entsprechenden Berufsausbildungen nach Guédelon; die anderen wurden vor Ort ausgebildet. Durch die Verarbeitung und Veredelung der Rohstoffe hauchen die Handwerker von Guédelon altem Wissen neues Leben ein und vergessene Techniken werden wiederentdeckt.

Auf der für die Öffentlichkeit geöffeneten Baustelle hat jeder Handwerker zwei Aufgaben, die eine so wichtig wie die andere: sein Handwerk auszuüben und Allen die Konstruktion der Burg zu erklären.

Florian Renucci ist der Bauleiter der Baustelle. Er ist zum einen für die Umsetzung der Baupläne der Burg, zum anderen gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Beirat von Guédelon für die technische Richtigkeit verantwortlich.

Sie tragen zum Bauwerk bei

Sam (Mitte), einer der Zimmerleute von Guédelon, mit zwei Praktikanten © C. Guérard - Guédelon

Das Handwerkerteam erhält wichtige Unterstützung von denen, die wir in Guédelon „bâtisseurs“ (Erbauer)  nennen. Etwa 650 von ihnen nehmen jedes Jahr für einige Tage an unserem Abenteuer teil und machen sich mit den Bautechniken vertraut: Liebhaber alter Steine, Neulinge, die sich mit der Materie auseinandersetzen möchten, oder Praktikanten in Ausbildung, die wie die anderen für einige Tage in die Handwerkerkolonnen eingebunden sind:

  • Erbauer: Das sind Menschen, die etwas zum Bauwerk beitragen möchten. Eine spezielle Fähigkeit ist nicht erforderlich, nur guter Wille, der Wunsch zu lernen und das Interesse für das Abenteuer, das uns leitet, ist notwendig.
  • Praktikanten: Sie besuchen uns im Rahmen ihrer Berufsausbildung, um ein Praktikum in Guédelon zu absolvieren. Guédelon ist zugelassenes Ausbildungszentrum für Steinmetzarbeit, Maurerei, Zimmerei und Holzfällarbeiten.
  • Gruppen: IMPRO, IME, Fachzentren …  Sie kommen in kleinen Gruppen im speziellen Rahmen. Ihre Teilnahme an den Arbeiten richtet sich nach einem pädagogischen Bildungsprogramm.

Sie lassen Mauern und Steine sprechen

Alex, ein Steinbrecher, bohrt seine Lichter vor dem Spalten des Blocks © C. Guérard - Guédelon

Die Steinbrecher: 

Für den Beruf des Steinbrechers ist eine gute Wahrnehmung notwendig, um Blöcke guter Qualität zu extrahieren, ohne sich bei dieser Aufgabe zu sehr aufzureiben. Manchmal braucht man mehrere Jahre dafür, "einen Stein lesen zu lernen". Der Steinbrecher entschlüsselt den Felsen, indem er seine Farbe betrachtet; er sucht zudem natürliche Bruchlinien im Stein. Je  "blauer" der Stein ist, umso härter ist er und umso schwieriger wird er zu beschlagen sein. Der Steinbrecher bevorzugt eine Bank dunkelroten Steins, dessen Qualität sehr gut und der für die Bearbeitung durch die Steinmetze nicht zu hart ist.

Nachdem der Steinbrecher die beste Bruchlinie gefunden hat, bohrt er Lichter genannte Löcher auf einer Linie. Dann setzt er Metallkeile in die Löcher. Mit dem Vorschlaghammer und notfalls mit dem Setzhammer schlägt er gleichmäßig auf die Keile. Die Schockwelle spaltet den Block sauber und genau.

Die Steinbrecher von Guédelon arbeiten auf Bestellung: Der Bauleiter gibt ihnen eine Liste der zu brechenden Steine, in der die notwendigen Ausmaße, Dicke und Qualität genau angegeben sind.

Jean-Paul beim Beschlagen eines Gewölbeanfängers für die Kapelle © C. Guérard - Guédelon

Die Steinmetze:

Die Steinmetze bearbeiten Sandstein (rotbraun) und Kalkstein (weiß). Sie sind Meister der Geometrie und bedienen sich eines Reißbodens, um auf diesem die zu fertigenden Stücke aufzuzeichnen. Dann fertigen sie eine Schablone an – eine Holzform, die die Kontur und die genaue Größe des herzustellenden Steins wiedergibt.

Der Steinblock wird auf eine Werkbank aus Holz gelegt. Dicke Seile, Polster genannt, absorbieren die Schockwellen und schützen die Steinkanten.

Die Steinmetzzeichen: Man unterscheidet zwei Arten von Zeichen, die in den Stein geschlagen werden:

  • Das Zeichen des Steinmetzes oder der Kolonne. Es erlaubt, die ausgeführte Arbeit zuzuordnen und zu kontrollieren. Im Mittelalter wurde der Steinmetz nach Anzahl der gefertigten Steine bezahlt.
  • Die Setzmarke. Sie zeigt genau an, wo der Stein im Verhältnis zu den schon verbauten Steinen positioniert werden muss.
Tito, Fabrice und die anderen Maurer fügen das Maßwerkfenster der Kapelle zusammen © C. Guérard - Guédelon

Die Maurer:

Maurer sind sehr häufig auf mittelalterlichen Miniaturen abgebildet, wo sie Mauern mit den drei unverzichtbaren Werkzeugen ihres Berufes errichten: der Kelle, dem Senkblei und der Setzwaage (der Wasserwaage des Mittelalters).

Oft weniger bewundert als andere Berufe, geben sich die Maurer nicht damit zufrieden, einen Stein auf den anderen zu setzen. Die Maurer meistern das Zusammenfügen raffiniertester Werkstücke aus Stein: gotische Fenster, Kreuzrippen-, Kreuzgrat- und Tonnengewölbe, Kuppeln usw. Der Gewölbebau ist eine äußerst komplexe Aufgabe, bei der die Maurer jeden Stein so zu setzen wissen, dass der Gewölbedruck gleichmäßig abgeleitet wird. Über die geometrischen Fragen hinaus beherrschen die Maurer auch die Berechnung der Drucklasten.

Mörtelmischen © Guédelon

Die Mörtelmacher:

Die Mörtelmacher bereiten den Mörtel zu, der dazu dient, die Steine miteinander zu verbinden. Der Mörtel besteht aus Luftkalk, Sand und Wasser, doch sein genaues Mischungsverhältnis variiert je nach Material und Verwendung.

Aus den immer gleichen Ausgangsmaterialien können die Mörtelmacher viele Arten Mörtel anmischen:

  • elastische Mörtel für Gewölbe, Bögen usw
  • Putzmörtel für den Verputz von Türmen und Wehrmauern
  • dicke und grobe Mörtel für kleine Bruchsteine oder zum Auffüllen der Mauern

Indem sie mit der Kalkmenge „spielen“,Sande unterschiedlicher Körnung verwenden und mehr oder weniger Wasser verwenden, stellen sie den Wunschmörtel her.

Die Mörtelmacher arbeiten auf einem Mischplatz. Das ist ein Holzboden, auf dem sie mithilfe von Mörtelhacken die verschiedenen Zutaten miteinander vermengen.

Thierry schlägt einen Eichenstamm eckig © C. Duchemin

Die Holzfäller:

In Guédelon nutzen die Holzfäller prinzipiell die Eiche.

Jeder Baum wird aufgrund seiner Länge, seines Durchmessers und seiner Form ausgewählt. Er wird für eine genau festgelegte Funktion gefällt. Im Gegensatz zu landläufigen Vorstellungen werden für bestimmte Nutzungen gedrehte Bäume ausgesucht. Einmal abgekantet, ist jedes Stück gebogenes Holz wichtiger Teil eines Gebälks oder Pultdaches. Wenn man gebogenes Holz entlang der Holzadern schlägt, ergibt sich ein viel festeres Holzwerk als bei modern gesägten Stücken, bei denen die Holzfasern zerschnitten werden.

Wenn im Wald von Guédelon keine geeigneten Bäume gefunden werden, werden die Eichen im benachbarten Wald gekauft.

Die Holzfäller fällen die Bäume mit Keilen und der Axt. Ist der Baum einmal gefällt, kanten sie ihn schnell ab, solange das Holz noch „grün“ ist – das macht die Arbeit mit der Beschlagaxt einfacher. Abkantung bedeutet, einen Baumstamm „quadratisch“ zu schlagen, indem man die Rinde und einen Teil des Splintholzes entfernt, um Deckenbalken, Sparren, Balken usw. herzustellen.

Nicolas setzt gerade in einer Werkstatt am Rand der Burg einen Dachstuhl zusammen © C. Guérard

Die Zimmerleute:

Die Zimmerleute sind natürlich für alle Zimmerarbeiten der Burg verantwortlich, so für das Anreißen, Beschlagen und Zusammensetzen des Grünholzes. Die Zimmerleute bauen außerdem die Lehrgerüste aus Holz, die die Gewölbe während des Aufmauerns unterstützen.

Während der gesamten Bauzeit der Burg bauen die Zimmerleute auch die Gerüste, die auf- und abbaubar und damit wiederverwendbar sind. Sie setzen zudem die Hebemaschinen wie Seilzüge, Seilwinden, Hebeböcke, Laufradkräne usw. zusammen.

Die Zimmerleute bauen auch all die kleinen Gerätschaften, die nötig sind, um die Baustelle am Laufen zu halten: Schubkarren, Schieber für den Mörtel, Setzwaagen, Messstäbe, Zirkel usw.

Wie die Steinmetze arbeiten die Zimmerleute auf einem Reißboden.

Die geschmiedeten Beschläge der Eingangstür zum Bergfried bei ihrer Herstellung © Guédelon

Die Schmiede:

Die Schmiede sind für das tägliche Gelingen der Bauarbeit unverzichtbar. Nicht nur, dass sie die notwendigen Werkzeuge für die Handwerker herstellen müssen, sie müssen auch die benutzten Werkzeuge regelmäßig nachschmieden, härten und schärfen. Jeden Tag verwenden die Steinmetze einen Satz Werkzeuge, bestehend aus zwei Spitzmeißeln, einem Flachmeißel und einem Sprengmeißel. Dabei zerbrechen die Werkzeuge, verformen oder nutzen ab. In der Schmiede ist ein Regal mit so vielen Fächern aufgebaut, wie es Handwerker gibt, die geschmiedete Werkzeuge verwenden. Die Handwerker legen Gerätschaften, die einer Härtung oder Schärfung bedürfen, in das Fach mit ihrem Steinmetzzeichen und tauschen sie gegen reparierte aus.

In ständigem Kontakt mit dem Bauleiter sichern die Schmiede ebenfalls die Fabrikation von Nägeln, Türangeln, Türbändern, Gittern sowie aller Kunstschmiedebeschläge der Türen.

Laëtitia führt den in den Kippwagen eingespannten Kaboul © V. Tiercelin

Die Fuhrleute:

Die meisten Transporte schwerer Materialien erfolgen auf der Baustelle durch Pferde. Gut dressiert und ruhig, sind sie in der Lage, Rangiermanöver sehr genau auszuführen.

Um im Wald geschlagene Bäume oder lange Zimmerarbeiten zu transportieren, spannt der Fuhrmann sein Pferd vor einen Rückewagen. Dieses vierrädrige, aus zwei trennbaren Partien zusammengestezte Gespann kann mehr als 15 m messen. Der Kippwagen hingegen ist ein zweirädriges Gespann mit einem kippbaren Kasten, mit dem Steine, Mörtel, Sand usw. transportiert werden. Der Schwerlastwagen hat ebenfalls zwei Räder und einen tief liegenden Boden. Er wird für einzelne, schwere Teile benutzt, etwa einen Schlussstein oder einen Türsturz. Die etwa 12 cm über dem Boden liegende Ladefläche erlaubt es, den Stein ohne zu viel Aufwand daraufzulegen.

Die Fuhrleute von Guédelon arbeiten aktuell mit vier Pferden, die abwechselnd eingespannt werden: Kaboul (Ardenner), Paloma und Arpège (Freiberger) und Tyrelienne (Percheron).

Bruno, einer der Ziegelbrenner, kontrolliert die Qualität eines Ziegels nach dem Brand © V. Tiercelin

Die Ziegelbrenner:

Wie sieht ein Dachziegel des 13. Jahrhunderts aus, der für eine bescheidene Burg im Herzen der Puisaye bestimmt ist? Wie wird er gearbeitet? Was ist die typische Form für einen Ziegelbrennofen, und wie geht man bei einem Brand vor? … Vorhandene Publikationen und Besuche traditioneller Ziegelbrenner haben uns grundlegende Informationen über die Ziegelherstellung geliefert. Ton ist zu stampfen, zu schlagen und dann zu formen. Er wird zum Trocknen für mehrere Tage auf Gitterroste gelegt, die ihm eine leichte Krümmung geben. Doch Ziegelgröße und -formen variieren von einem zum anderen Tonaushub.

Aus Ausgrabungen konnten wir Informationen zu den unteren Teilen des Brennofens gewinnen: Die Abmessungen der Brennkammer, die Bogenform des Feuerungstunnels und die Größe des Feuerraumes gaben uns den Typus des Brennofens vor.

Mit diesen Informationen nahmen wir die Experimentierphase auf, die vier Saisons dauerte. Wir mussten schnell die Produktionsphase erreichen, weil 28.000 Ziegel zum Decken des Palas benötigt wurden. Dieser Wettlauf wurde 2008 gewonnen!

Roger befestigt seine Hanffäden auf den Haken © V. Tiercelin - Guédelon

Die Seiler:

Die Seiler liefern der Baustelle mehr oder weniger lange und mehr oder weniger dicke Seile, je nach Einsatzgebiet. Die Seile aus Hanf oder Leinen werden auf der Baustelle als Verbinder genutzt.

Mehrere Schritte sind für das Verdrillen eines Seils notwendig:

  • Nach der Befestigung von vier Fäden auf rotierenden Haken biegt der Seiler letztere um
  • So erhält er 4 Litzen (eine pro Haken)
  • Dann dreht er das Rad, bis die Seilerlehre herangekommen ist, das Seil ist geformt

Durch das Verflechten mehrerer Seile formt der Seiler sogenannte Polsterstricke. Diese dicken Taue werden von den Steinmetzen benutzt, um den Stein während der Beschlagarbeiten zu schützen.

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