der wissenschaftliche ansatz

Ein Labor unter freiem Himmel!

Die Kapellenbaustelle in der 1. Etage des gleichnamigen Turms. © Guédelon - D. Gliksman

Hier werden vor Ort die Konstruktionsverfahren und die Organisation einer Baustelle aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts neu erschaffen.

Im Herzen dieses Waldes gab es vorher nichts: keine Spuren einer alten Burg, keine Ruinen, gar nichts – nur einen alten, in den 1950er-Jahren aufgegebenen Steinbruch mit eisenhaltigem Sandstein. 

Guédelon ist also eine „komplett neue“ Burg.

Im Frühling, Sommer und Herbst kommen die Handwerker täglich in dem Wissen zur Baustelle, dass Burg Guédelon zu bauen mehr als eine normale Arbeit ist. Es ist eine Geisteshaltung, sich Baugeschichte nach und nach anzueignen – immer in dem Wissen, dass man manchmal auch Bekanntes „vergessen“, Bestehendes abbrechen, neu beginnen und hinterfragen muss, um einer glaubwürdigen mittelalterlichen Bauweise möglichst nahezukommen und schließlich zu spüren, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Guédelon ist wahrhaftig eine Baustelle der experimentellen Archäologie.

Wissenschaftlicher Beirat

Steinmetz von Guédelon. © V. Tiercelin

Von Beginn an war ein wissenschaftlicher Beirat aus Archäologen, Kunsthistorikern, Kastellologen usw. an unserem verrückten Abenteuer beteiligt. Einige Wissenschaftler trafen wir „unterwegs“, im Rahmen unserer Fragestellungen, unserer Fortschritte oder bei deren Untersuchungen…

Guédelon pflegt mit dem wissenschaftlichen Beirat eine Beziehung auf Gegenseitigkeit. Einerseits erteilt er uns Auskunft und bestätigt unsere Konstruktionsmethoden (oder auch nicht …); andererseits finden Archäologen, Bauhistoriker etc. in Guédelon eine wichtige Informationsquelle, was die Handgriffe und Techniken, den Werkzeugeinsatz, die Baustellenorganisation usw. angeht.

Meine übliche Arbeit besteht darin, Mauern zu untersuchen  (…) Eigentlich zerlegt man eine Mauer im Geiste, um sie zu studieren. Das geht recht gut, aber es bleibt mental. Heute hilft uns die Baustelle von Guédelon, unsere Ideen und Untersuchungen zu konkretisieren.“ Anne Baud, Archäologin und Professorin an der Universität Lyon 2; Auszug aus dem Buch: „Guédelon, des hommes fous un château fort“, Verlag Aubanel, 2003

Setzen eines Gewölbeschlusssteins im Jahr 2011. © Guédelon

Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats von Guédelon:

  • Anne Baud; Archäologin und Dozentin an der Universität von Lyon 2
  • Jacques Moulin; Leitender Architekt des Denkmalamtes
  • Nicolas Reveyron; Kunsthistoriker und Professor an der Universität Lyon 2
  • Nicolas Faucherre; Professor für Archäologie der Universität von Aix-Marseille
  • Christian Corvisier; Architekturhistoriker
  • Philippe Durand; Kastellologe und Dozent an der Universität Bordeaux 3
  • Frédéric Epaud; Archäologe, spezialisiert auf mittelalterliche Zimmerarbeiten

Guédelon nimmt jedes Jahr an Kolloquien zu unterschiedlichen Themen teil: zu Holzkonstruktionen, Ringankerorganisation in Steinmauern usw.

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