die materialien

Der Standort einer mittelalterlichen Burg ist niemals zufällig gewählt. Vielmehr ist ihre Ansiedlung immer das Ergebnis einer präzisen Logik, da sie zum einen als strategischer Punkt eine Verkehrsachse oder eine Straße kontrolliert, zum anderen allein durch ihren Anblick Macht und Autorität symbolisiert.

Ein Bauplatz ist kein Zufallsergebnis

Die für den Bau benötigten Materialien werden mit Pferden transportiert © Guédelon - C. Guérard

Guédelon entzieht sich dieser Regel nicht: Die Wahl des Geländes war letztlich durch das Vorhandensein der Rohstoffe bestimmt. Im Mittelalter waren Transporte teuer, und vor allem die zahlreichen Steuern und Wegegebühren konnten den Preis der Materialien verdoppeln.

Außerdem verlängerten die mit Zugtieren oder auf Wasserwegen durchgeführten Transporte die Bauzeit beachtlich.

Es war also wichtig, ein Gelände zu finden, auf dem die Bauarbeiter die wesentlichen Materialien zur Verfügung hatten: einen Wald, einen ehemaligen Steinbruch, Tonerde, Sand, Wasser; viel mehr war nicht nötig...

Der Stein: eisenhaltiger Sandstein

Aus dem Steinbruch von Guédelon gerochener Block eisenhaltigen Sandsteins © Guédelon

Der eisenhaltige Sandstein:

Man findet diesen Stein in verschiedenen Gebäuden der Region, z.B. in großen und glanzvollen Bauten wie der Burg Ratilly, aber auch in den bescheideneren Häusern der Puisaye.

Der Sandstein wird in dem direkt am Fuß der Burgenbaustelle gelegenen Steinbruch gebrochen.

Es handelt sich um ein Sedimentgestein, das aus übereinanderliegenden Schichten komprimierten Sandes besteht. Wenn man den Sandboden als Deckschicht abgetragen hat, zeigt sich der Sandstein in mehr oder weniger harten und dicken Lagen.

Die Wirtschaftlichkeit der Baustelle – im Mittelalter ebenso wichtig wie heute in Guédelon – verlangt, dass keine Materialien verschwendet werden. Das ist der Grund dafür, dass schlechte, spröde Steine und Abfälle aus dem Steinbruch mit Mörtel gemischt werden, um die Mauern aufzufüllen. (Die Dicke der Mauern in Guédelon beträgt durchschnittlich 3,50 m).

Ein anderer Stein, der weiße Kalkstein, wird in der Burg für die profilierten Steine für Gewölbe, Fenster usw. genutzt. Er stammt aus einem einige Kilometer von Guédelon entfernt liegenden Steinbruch.

Das Holz: Eiche

Fällen einer Eiche im Wald von Guédelon © Guédelon

Holz ist in mittelalterlichen Konstruktionen omnipräsent: Es findet Verwendung in Galerien, Hurden, Laufstegen, Brücken, Türen usw. Aufgrund der vergänglichen Eigenschaften des Holzes sind hölzerne Außenbauten heute häufig nicht mehr existent. Nur wenige Zimmeerarbeiten haben überdauert.

Im Wald von Guédelon ist die Eiche die Königin. Die Holzfäller schlagen die Bäume nach einem präzisen und durchdachten Fällplan: Genau dieser Baum aus dieser Sektion mit dieser Höhe wird als Sturz eines Kamins oder zu Trägerbalken des Palas genutzt. Jede Fällung folgt einer im Voraus definierten Konstruktionsanforderung.

Wenn der Wald von Guédelon die gesuchten Baumquerschnitte nicht bietet, besorgen wir uns diese in den benachbarten Wäldern – so wie es die Bauleute im Mittelalter gemacht hätten. Ebenso wie Abt Suger große Schwierigkeiten hatte, die für den Bau der Kathedrale von Saint-Denis benötigten dicken und langen Eichen im Wald von Yvelines zu finden, so mussten auch wir in Guédelon für das Balkenwerk des Palas außerhalb suchen.

Ein Land mit vielen Facetten

Töpfe mit Ocker und Hämatit aus Guédelon © Guédelon - Ph. C. Guérard

Der Boden von Guédelon ist für die Bauarbeiter extrem „reichhaltig“ zusammengesetzt:

- Sandige Erde, einmal gesiebt, wird für die Mörtelherstellung genutzt. Mörtel ist der „Klebstoff“, der es erlaubt, Steine miteinander zu verbinden. Er wird auf der Baustelle aus Wasser, Kalk und Sand hergestellt.

- Tonerde verwenden unsere Ziegler für alle Dachziegel und Bodenplatten der Burg.

- Pigmente wie Ocker und Hämatit werden nach ihrer Gewinnung aus dem Boden für alle Wandmalereien in der Burg genutzt.

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