historisch-architektonischer rahmen

Um dem Abenteuer Guédelon einen Rahmen zu geben und sich der Realität bestmöglich anzunähern, wurden historische, chronologische und architektonische Eckpfeiler gesetzt.

Die Baustelle soll 1228 beginnen

Ludwig IX. zieht 1248 aus auf den sechsten Kreuzzug

Zum Start der Baustelle sind wir im Jahr 1228. Ludwig IX., der spätere Ludwig der Heilige, wurde zwei Jahre zuvor in Reims zum König gesalbt. Da er jedoch zu jung zum Regieren ist, sichert seine Mutter Blanka von Kastilien bis 1235 die Herrschaft über das Königreich.

Die Puisaye ist zu dieser Zeit unter der Kontrolle von Baron Johann von Toucy. Sie ist im Süd-Osten von der Grafschaft Auxerre-Nevers unter Gräfin Mathilde von Courtenay und im Norden von der kapetingischen Grafschaft Gâtinais umschlossen. Unmittelbar vor dem fünften Kreuzzug befindet sich die Puisaye in einer relativ ruhigen Periode. 

Ein hypothetischer sozialer Kontext:

Der imaginäre Auftraggeber von Burg Guédelon ist der niederadlige Grundherr Guilbert (Gilbert) aus der Puisaye, Vasall Johanns von Toucy, der wiederum Vasall des Königs von Frankreich ist. Sein Lehnsherr gibt ihm die Erlaubnis, eine Burg zu bauen. 

Sein Stand in der feudalen Hierarchie ist recht niedrig und seine finanziellen Mittel sind begrenzt. Das bewegt ihn dazu, eine „kleine“ Burg zu errichten, weit entfernt vom Louvre in Paris oder von der Burg in Brie-Comte-Robert im Departement Seine-et-Marne. Man könnte bei Guédelon also von einer Residenzburg sprechen.

Die Architektur von Philipp II. August

Burg Ratilly, 4 km von Guédelon entfernt, ist eine der Referenzburgen © C. Pierlot

Kein Relikt, keine Ruine, kein Bauwerk war vorhanden – die künftige Burg Guédelon ist eine Neuschöpfung, welche den von Philipp II. August im 12. und 13. Jahrhundert eingeführten Architekturkanon nutzt.

Philipp II. August, König von Frankreich von 1180 bis 1223, begründete die Standardisierung der Militärarchitektur der Burgen in königlichen Gebieten. Die Burgen Louvre in Paris und von Yèvre-le-Châtel im Loiret oder örtliche Burgen wie die von Ratilly oder Druyes-les-Belles-Fontaines im Departement Yonne sind nur einige Beispiele.

Eine philippinische Burg weist folgende Merkmale auf: hohe, an den Basen häufig abgeböschte Burgmauern umlaufen einen vieleckigen Hof; am Fuß der Burgmauern befindet sich ein Trockengraben; die runden Ecktürme sind dem Grundriss folgend versetzt angeordnet und haben Bogenschießscharten mit einfachen Laibungen; einer der Ecktürme – der Bergfried – ist höher und größer; eine Torburg befindet sich zwischen zwei Verteidigungstürmen am Eingang.

In dieser Zeit hatte Philipp II. August durch bilaterale Verträge, Allianzen und Heiraten eine kapetingische Politik der dauerhaften Expansion initiiert. Dies rechtfertigt die Übernahme eines französischen – und nicht eines burgundischen – Architekturmodells in der Yonne.

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