methodik

Für das Projekt Guédelon ist der Leitgedanke klar definiert: Für alle zum Einsatz kommenden Techniken suchen wir nach der größtmöglichen Authentizität. Die einzige Grenze ist die Sicherheit und die aktuelle Gesetzgebung dazu.

Ein Labor unter offenem Himmel

Ein Laufradkran im Burghof © Guédelon - D. Gliksman

Den Tagesablauf einer Baustelle des 13. Jahrhunderts wiederzugeben, ist bis heute schwierig. Ein Interessenfeld des Projektes Guédelon ist die wirklichkeitsgetreue Umsetzung der notwendigen Handgriffe und Anwendung der Werkzeuge. Gleichzeitig sollen glaubwürdige Lösungen für punktuell auftretende Probleme "vor Ort" gefunden werden (z.B. die physikalisch-chemische Zusammensetzung des Mörtels).

Diese Herangehensweise bietet uns in allen Bereichen ständig Wahlmöglichkeiten – erklärtes Ziel ist dabei, diejenige Theorie, die innerhalb jedes Gewerkes als die logischste erkannt wurde, in die Praxis umzusetzen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit des methodischen Vorgehens.

Die für die baulichen Fragen gewählte Methodik: 

Eine langfristige Aufgabe ist die Erstellung einer kontinuierlich wachsenden und aktualisierten Datenbank. Diese Datenbank ist das Ergebnis einer Sammlung aus drei Quellen:

"Befragung" existierender Burgen

Burg von Druyes-les-Belles-Fontaines, 25 km von Guédelon entfernt
  • Ikonografische Quellen wie Buch- und Glasmalereien sowie Baurechnungen dieser Epoche (wenige und unvollständige Quellen).
  • Reise zu anderen Burgen der gleichen Epoche, mit dem gleichen Architekturkanon usw. und Erfassung dieser Burgen vor Ort. Als Beispiele seien die Burgen von Druyes-les-Belles-Fontaines (Dep. 89), Ratilly (Dep. 89), Yèvre-le-Châtel (Dep. 45), Dourdan (Dep. 91) usw. genannt.
  • Moderne wissenschaftliche Quellen wie Tagungsberichte, Doktorarbeiten, Ausgrabungsberichte usw.

Das Ziel dieser Aktionen ist die Erstellung eine möglichst umfassenden Datenbank. Sie wird mit einem vergleichenden System ausgewertet, um die beste architektonische Option für Guédelon zu finden.

Außerdem gibt es eine Informationsquelle, die wir uns beim Start des Projekts nicht vorstellen konnten und die uns sehr erfreut: die Besucher. Sehr oft lassen sie uns während ihres Besuches oder im Anschluss daran an ihrem Wissen über diese oder jene Technik teilhaben, informieren uns über das Vorkommen eines Architekturelements in der Nähe ihres Wohnortes usw. 

Von Anbeginn unseres Abenteuers an befinden wir uns mitten in diesem geplanten Austausch!

Das Kreuzrippengewölbe im Erdgeschoss des Kapellenturms © Guédelon

Beispiel: das Kreuzrippengewölbe im unteren Raum des Kapellenturms

Eine der größten Gefahren für Guèdelon bestand darin, zum Musterkatalog architektonischer Meisterleistungen zu werden. Keinesfalls soll Guédelon der Darstellung oder der Befriedigung des ästhetischen Geschmacks Einzelner dienen. Das größte, schönste oder anspruchsvollste Gewölbe zu bauen und dabei die stilistischen, architektonischen und zeitlichen Zusammenhänge zu missachten, wäre Unsinn und ein kompletter Stilfehler gewesen.

Das methodisch richtige Vorgehen besteht also darin, die in den Burgen Philipps II. am häufigsten vorkommenden Elemente umzusetzen. Dafür hat eine Gruppe aus Guédelon verschiedene Referenzburgen besucht, insbesondere Yèvre-le-Châtel (Loiret) und Dourdan (Essonne), um dort existierende Gewölbe zu fotografieren, zu skizzieren und aufzumessen.

Diese Vorarbeiten erlaubten es, präzise und schlüssige Ausführungspläne herzustellen, die dem wissenschaftlichen Beirat vorgelegt wurden, welcher sie bestätigt hat.

live aus guédelon